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23.07.2012

Sommer Diesel 462, Betrachtungen zum Verbrauch


Ein Kommentar in meinem Blog verdient es, ausführlich betrachtet zu werden:

Hallo Oldmann Ich bin hier über euren Blog gestolpert. Zuerst einmal möchte ich sagen das ich die Idee von Herrn Sommer ein Dieselmotorrad zu bauen Klasse finde. Ich hätte jedoch ein Paar Fragen unter anderem zu den wirklich kurzen Wartungsinterwallen (aller 5000km). Ich habe Beruflich als auch Privat sehr viel mit Dieselmotoren zu tun. (Lkw, Schlepper, Pkw, Baumaschienen) Selbst bei letzterem liegen die Wartungsinterwalle jenseits der 5000km/(Betriebsstunden). Und der Hatz 1B40 ist doch als Antrieb unter anderem auch in Rüttelplatten verbaut somit sind Robustheit und Langlebigkeit ja wohl die großen Tugenden dieses Antriebes, Oder? Auch der Verbrauch verwundert mich 2-2,5 Liter sind für ein Motorad mit knapp 170kg nicht gerade Rekordverdächtig. Wenn mann bedenkt das bereits schon 1935 Dieselmotoren z. B. von Deutz oder MWM als Einzylinder extrem Sparsam arbeiteten im Verhältnis: Leistung-Gewicht-Zugleistung. Ja selbst Ottomotoren wie der 109ccm Motor der aktuellen Honda Wave ( Verbrauch meines Neffen ca.80kg 40km tägliche Strecke Tempo 50-90) 1,60 Liter/100km. Herstellerangabe: Verbrauch unter 2l/100km! Oder die neue Honda NC 700 X von meinem Bruder 3-3,5 Liter/100km! 2 Zylinder 670ccm mit 52PS Laut Hersteller V.max 170 Verbrauch nicht mehr als 3,7 Liter auch mit Doppelkupplungs-getriebe Gewicht 228kg !!! Wartungsinterwall alle 12.000km !!! Da muß doch beim Verbrauch noch was machbar sein. Oder? Mit Sicherheit doch ein effizienteres Getriebe!? Stellt euch vor die Sommer Diesel läuft vernünftige 120km/h max. bei einem Verbrauch von 0,75-1,5 Liter im Fahrzyklus Wartungsinterwall alle 20.000km Das wäre Nobelpreisverdächtig. Und ein triumphaler Vorbeimarsch an Milliardenschweren Konzernen wie VW (1 & 2 Liter Auto). Wie gesagt ich finde die Idee des Dieselmotorrades absolut Spitze. Es kommt halt immer darauf an, wieviel Ehrgeiz in einem Projekt steckt. Viele Grüße Karl


Fangen wir mit den Wartungsintervallen an, ein Industriemotor im stationären Betrieb wird nach Betriebsstunden gezählt, 
die Kilometerleistungen einer Rüttelplatte halten sich in Grenzen :lol:
Vorgabe Hatz, alle 250 Betriebsstunden Ölwechsel und Ventile prüfen, ggf einstellen.
Je nach Einsatzzweck, Fahrstil etc. kann man sich nun darüber streiten, was im Schnitt in einer Stunde an Kilometern gefahren wird, 
denke 50 km / h ist ein vernünftiger Ansatz. 250 h x 50 km = 12.500 km.

Bild

Ups, wie kommt Dr. Sommer dann auf 5000 km?
Wechselnde Drehzahlen, mitunter stundenlange Autobahnfahrten am Leistungslimit (2 Personen, Gepäck), 
Betrieb mit Seitenwagen stellen deutlich höhere Anforderungen als konstante 3000 1/min.
Dann fährt mancher im Jahr 3000 km, so alle 2 Jahre sollte das Öl, unabhängig von der Kilometerleistung gewechselt werden.
Mit 5000 km ist man auf der absolut sicheren Seite, vernünftiges Öl vorausgesetzt. 
Wenn das dann auf einer Extrem Tour mal 7500 km drin ist, passiert auch nichts :mrgreen:

Verbrauch:
Hier muss meines Erachtens zwischen altem und neuem Modell differenziert werden.
Deutlich leichter, alles wirklich fluchtend und der Zahnriemen machen sich bemerkbar.
Nach meinen Schätzungen dürfte das 0,2 bis 0,3 Liter weniger bewirken. 
Allerdings fehlen da noch statistisch relevante Daten, aber ich kenne einzelne, die um, teilweise deutlich unter 2 Liter verbrauchen.
Schon beim alten Modell gab es, je nach Gewicht und Fahrstil, Differenzen von 0,5 Liter.

Was natürlich auch berücksichtigt werden sollte, der Motor ist nicht für den Betrieb mit stark wechselnden Drehzahlen konstruiert!
Da wäre mit einer elektronischen Regelung sicher was zu holen. Aber, der Vorteil des einfachen, robusten Betriebes, ohne Elektronik, 
Flüssigkeitskühlung wäre dahin. Wer mal versucht hat, an einer 650 er BMW X-Country die Zündkerze zu finden, weiß was ich meine.

Getriebe
Ja, eine alte Konstruktion, frisst sicher einiges an Leistung.

Bild

Aktuelle Mopeds haben fast alle Motor und Getriebe in einem Block.
Pre Unit Konstruktionen gibt es, aber der Block muss auch halbwegs passen und bezahlbar sein.
Aus der Historie ergab sich die Verwendung des Royal Enfield Getriebes, irgendwann kommt da (wenn es die 4 Gang nicht mehr gibt) was anderes,
aber bis dahin....

Überlegungen:
Hätte ich richtig Kohle auf dem Konto, würde ich die Innereien von Motor und Getriebe DLC Beschichten lassen.

Bild

Wäre ein interessanter Versuch zur Reduzierung der inneren Reibung.
Aber, vermutlich stehen finanzieller Aufwand in keiner akzeptablen Relation zum Nutzen :!:

Resümee:

Auf Leistung, Höchstgeschwindigkeit etc. bezogen braucht eine Sommer Diesel mit der Spanne von 1,8-2,5 Litern / 100 km relativ viel Kraftstoff.
Absolut betrachtet ist der Verbrauch natürlich trotzdem sehr niedrig, selbst wenn die (noch) vorhandene Preisdifferenz zwischen Diesel und Benzin nicht berücksichtigt wird.
Die Gesamtkosten im Unterhalt, eine Lebenserwartung von >= 150.000 km machen den Betrieb (nicht die Anschaffung) ausgesprochen günstig.
Der Motor läuft zur Not auch bei Totalausfall der Elektrik, ein Punkt der mir nach den Erfahrungen mit der 650 er BMW ausgesprochen wichtig ist. 

Was sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt, sind die Emotionen beim Fahren und eine sonst kaum zu kaufende Exklusivität.

Geht es nur um wirtschaftliche Betrachtungen, gibt es diverse billigere Alternativen :!:
Bild eine der letzten auf RE basierenden, Nr. 295 von 310
Bild EX.: 38 völlig unwichtige Mopeds 

1 Kommentar:

  1. Am Freitag habe ich meine neue Sommer auf eigener Achse abgeholt, deshalb jetzt schon 600 km auf der Uhr mit einem Verbrauch von knapp unter zwei Litern. Wie die Sache nach dem Einfahren und evtl. auf der Autobahn mit längerem Volllastbetrieb aussehen wird, kann ich natürlich noch nicht sagen.
    Gruß Nobbie aus OWL

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