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25.05.2013

Sommer Diesel, ist das Motorrad was für mich?

Überlegungen zur Sommer Diesel




Inzwischen ist einiger Diesel durch die Einspritzdüse gewandert, ich habe seit 3 Jahren und über 40.000 km so ein Motorrad,
Jochen baut das aktuelle Modell, dass mit der alten nicht mehr viel gemeinsam hat.



Es ist ein gewisser Hype um die Motorräder entstanden, hier möchte ich versuchen, halbwegs objektiv einige Fakten zu präsentieren.
Wem es nur ein billiges, sparsames und effizientes Fahrzeug geht, der sollte die Finger davon lassen :!:
Rein wirtschaftlich betrachtet rechnet sich das Teil nie. Da ist jeder 125 er Roller sinnvoller, Kaufpreis und Verbrauch zusammengerechnet,
so alt werden wir nicht, damit sich da eine Sommer amortisiert :)
Die Sprüche mit Entschleunigen und genussvolles Fahren etc. sind ja auch gerade in. Fakt ist, wenn ich morgens zu Arbeit muss,
der mit 65 km/h auf einer etwas unübersichtlichen Strecke vor mir herfahrende Truck mich ausbremst, dann gebe ich mit einer NC 700 kurz Gas,
mit der Sommer wird der Überholvorgang langwierig, ist strategisch zu planen, dass Risiko deutlich höher,
weil ich viel mehr Strecke brauche, bis ich vorbei bin :!:
Andererseits bremsen mich dichterer Verkehr auf der Autobahn selten aus, viel schneller wie 70-90 gehen eh nicht.
In Deutschland gibt es nur eine Hand voll Werkstätten, die sich mit der Sommer wirklich auskennen.
Wohne ich nicht in der Nähe von so einer, muss ich entweder immer wieder halbe Weltreisen zur Inspektion machen,
oder selbst Hand anlegen (können). Im Gegensatz zu fast jeder anderen Marke gibt es bei Sommer keine Probleme mit der Garantie,
wenn die Inspektion selbst gemacht wird. Auch klar, Schäden die durch technisches Unverständnis hervorgerufen werden,
z.B. verbrannte Ventile etc. ersetzt auch Hatz nicht :!:



Die Motorräder sind relativ klein (im Vergleich zu aktuellen Eisenschweinen :twisted: ).
Sieht bei manchen Figuren dann etwas seltsam aus (wenn der Fahrer sich in der Körpermasse auf dem Level des Motorrades...),
kann auch ergonomisch bei großen Personen eng werden, zumindest auf Langstrecken.
2 Personenbetrieb geht mit Einschränkungen, Beifahrer(in) sollte eher schlank und nicht unbedingt 1,90 sein.
Überholen wird dann noch interessanter, manche Steigungen ermöglichen genaueres Studium des Strassenrandes, vom Müll bis zur Fauna :D 
Ideal ist 1 Person mit Gepäck, dass geht recht gut.
Das Motorrad ist eine Kleinserie, hier wird so gut wie nichts maschinell, von Robotern etc. gefertigt.
Handarbeit ist individuell, da geht auch nicht immer alles 100% glatt.
Wer den Hang zum absoluten Perfektionismus hat, kaufe sich eine BMW, Honda etc.
Da ist der Händler meist ums Eck und man hat einen zum Anmotzen in greifbarer Nähe.
Der Motor ist von Hatz für die Baustelle konstruiert. Da sind die Schwerpunkte etwas anders gesetzt, als beim Moped.
Das Motorengehäuse ist porig, wird im Laufe der Zeit etwas Patina ansetzten. Die Einspritzleitung rostet, interessiert bei der Rüttelplatte keinen,
am Motorrad schon eher. Dichtungen schwitzen im Lauf der Zeit etwas usw.
Natürlich kann das mit entsprechender Pflege minimiert werden, aber nicht zu 100%
Das ist im Regelfall bei einem Honda Motor mit lackiertem Gehäuse kein Thema, wer bei so etwas Ausschlag bekommt, Finger weg.
4 Gang rechtsgeschaltet, geht nach Eingewöhnung recht gut, hat aber mit einem modernen Getriebe weder in der Abstufung, noch hinsichtlich Schaltzeit, Bedienkräften etc. etwas zu tun. Vor der Bestellung testen 8-)
Was lackiert/pulverbeschichtet ist, hält bei der Sommer jahrelang, vieles ist aus Edelstahl, dto.
Gabelholme, Motorgehäuse, Getriebegehäuse, mit Einschränkungen Primärgehäuse sind Alu ohne Lackierung, nicht Eloxiert, beschichtet.
Mögen Salz, egal ob in der Luft (Seehafen, am Meer) oder auf der Strasse nicht wirklich.
Wer das nicht sehr konsequent pflegt, bezahlt seinen Preis, sieht dann sehr used aus :?



Genug gemeckert,
es gibt auch positives zu Berichten...
Die Sommer ist eines der ganz wenigen Motorräder, die zur Not völlig ohne Elektrische Anlage Fahren können.
Das es nicht legal ist, ohne Beleuchtung zu fahren, klar.
Aber zur Not, oder in Gegenden wo das nicht relevant ist, komme ich zumindest weg :!: 
Die Technik ist überschaubar, was nicht bedeutet, dass jeder daran rum schrauben kann.
Der Motor ist für harten Einsatz konstruiert, dürfte bei pfleglicher Behandlung (Öl drin),
deutlich länger halten, als die meisten luftgekühlten Einzylinder.
Ist der Kaufpreis verschmerzt, sind die Unterhaltskosten sehr gering, Verbrauch zwischen 1,8 und 2,5 Litern Diesel ist realistisch.
Hat der Motor wirklich einen Defekt (kommt auch bei Hatz ab und zu vor), ist die Firma im allgemeinen sehr kulant,
sitzt eben auch in Deutschland und nicht irgendwo auf dem Globus. Da gibt es Ansprechpartner die Entscheidungsbefugt sind,
beschleunigt den Prozess ggf. ungemein.
Was unbeschreiblich ist, dass Fahrgefühl mit einem Einzylinder Diesel, dem bin ich absolut verfallen, bekenne mich schuldig :lol:
Gebe aber zu, müsste ich laufend Strecken über 100 km zur Arbeit zurücklegen, hätte ich dafür noch etwas schnelleres :!:

Resümee:
Wer sich auf eine völlig andere Art des Fahrens einlassen kann (hat bei mir gut 10.000 km und ein Jahr gedauert),
mit den Eigenheiten des Motorrades klar kommt, wird sie wohl nicht mehr so schnell hergeben 8-) 
Wem die Leistung nicht reicht, oder wer mit den oben Beschriebenen Fakten nicht klar kommt, bleiben lassen,
erspart unnötiges Geld Verbrennen und Ärger :!:
Ausgiebig testen, in sich gehen, Entscheiden, nicht jeder wird damit glücklich.
Gruss OldMan

Kommentare:

  1. Norbert Borghoff25. Mai 2013 um 20:33

    Je länger ich meine Sommer (Nr.39 neues Modell 17000 km) fahre desto lieber wird sie mir. Ausser einem Werksfehler am Getriebe der auf Garantie sofort behoben wurde ist alles problemlos. Das Fahrzeug ist dank verschieden langer Aluhalterungen im Gegensatz zur Aussage von Oldman auch für große und schwere Menschen wie mich ideal. Nur wenn man dem Zahnriemen nicht ab und zu etwas Wachs zukommen lasst, quietscht der zum Erbarmen. Die sonst rostende Dieselleitung habe ich mit Rostschutzlack versehen. Einziger kleiner Wermutstropfen ist, daß der Motor eine sehr lange Warmlaufphase hat und die volle Motorleistung erst bei wirklich warmem Motor da ist. Hier wäre eine elektrische Motorölvorwärmung (240 Volt ca 100 Watt) insbesondere im Winter hochinteressant .
    Nobbie aus OWL

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  2. Das "Thermotuning" wird Jochen Sommer wohl in Serie übernehmen.
    Auch die Verstellscheibe für die Lüftung gibt es optional, habe ich ebenfalls gute Erfahrungen gemacht. 5W-30 oder 40 er Öl nehmen.

    Gruss Thomas

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    1. Norbert Borghoff26. Mai 2013 um 10:21

      PS: Ebenfalls suboptimal ist der vordere Kotflügel. Bei Regenfahrten wird man total eingesaut weil 1. das Regenwasser an den Steben kurz der Verschraubung am Schutzblech zerstäubt wird 2. das Schutzblech seitlich nicht tief genug heruntergezogen ist, wie dies sonst bei den alten Enfields üblich war. Aber da die meisten Sommerpiloten möglicherweise Schönwetterfahrer sind ist das wohl noch nicht aufgefallen, kann natürlich auch sein das Hr. Sommer bei der Konstruktion die Schönheit hoher bewertet hat als die Funktion.
      Gruß Nobbie

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  3. Es ist nicht wirklich einfach im Zubehör ein Schutzblech a la RE in rostfreiem Stahl zu bekommen. Der Markt ist da eher begrenzt. Ausserdem fährt JS nicht sooo oft im Regen :=)

    Gruss Thomas

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  4. Hallo, gäbe es denn evtl. die Möglichkeit, das Motorengehäuse und ggf. auch die Leitungen lackieren oder beschichten zu lassen, bevor Herr Sommer es verbaut?

    Viele Grüße
    Thomas

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  5. Theoretisch denkbar, in der Praxis wohl eher nicht. Das Gehäuse ist ja etwas porig, zumindest im Bereich Kühlrippen, Zylinderkopf dürfte das dann auch thermisch problematisch werden.
    Ausserdem müsste man den Motor völlig zerlegen, kannst ja nicht einfach über Schrauben, Gehäusefugen etc. drüber lackieren. Sicher mindestens 10 Stunden Arbeitszeit, ohne Lackieren!

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